In der Fotografie gibt es zwei schmutzige Worte. Das eine ist "Kunst", und das andere ist "guter Geschmack".

- Helmut Newton, aus dem Gedächtnis zitiert

Noch einer, der Kunst definieren muss? Nun, warum nicht? Es hilft mir oder sonst jemandem nicht, die Worte eines anderen nachzuplappern und sich dann abgeklärt zu fühlen. Ich kann mir über alle Fragen, die mich beschäftigen, meine eigenen Gedanken machen, und die Antworten selbst formulieren.

Was also ist Kunst? In welchem Umfang erfordert sie Können? Wie grenzt sie sich ab vom Kitsch? Wie von Kunstfertigkeit? Muss sie originell sein?

Kunst ist für mich all das, was beim Erschaffer und beim Wahrnehmenden neu Türen öffnet, neue Gedanken möglich macht, neue Gefühle. Das Können des Künstlers muss gross genug sein, um das dafür Nötige auszudrücken. Sie muss nicht originell sein. Vielleicht muss das Gleiche von Vielen gesagt werden, bis es verstanden wird.

Kitsch benutzt Stilmittel der Kunst, um bereits vorher feststehende Wirkungen zu erziehlen. Weder der Erzeuger noch der Konsument möchte dadurch neues erfahren.

Das Ziel der Kunstfertigkeit ist die Schönheit. Sie schmeichelt den Sinnen des Wahrnehmenden, und es ist ihr egal, ob sie ihn sammelt oder zerstreut. Die Macht der Schönheit bewahrt sie davor, kitschig zu wirken, aber sie kommt, um zu fesseln, auch ohne die Kunst aus.